Der O-Track im Torres del Paine Nationalpark

Der Torres del Paine National Park liegt im Süden Chiles in Patagonien und umfasst die Gipfel des Torres del Paine und den Gletscher Grey, der ein Ausläufer des Patagonischen Eisfelds ist. Der Nationalpark ist ca. 2420 km² groß und beinhaltet mehrere 3000er, Gletscher, Fjorde und Seen.

Tag 1

Unser erstes großes Highlight auf unserer Weltreise war die 8-Tages Trekking-Tour, O-Track oder auch Cirquit genannt, im Torres del Paine Nationalpark. Die Tour startete am Busterminal in Puerto Natales um 07:00 Uhr morgens, denn der Nationalpark liegt sehr abgeschieden, ca. 2h Fahrt, von der nächsten Stadt entfernt. Wir waren schon sehr aufgeregt, da das unsere erste mehrtägige Trekking-Tour (abgesehen von einer 2-tägigen Tour mit Hüttenübernachtung in Grins) war. Auf dem Weg zum Park haben wir direkt mehrere Anden-Kondore gesehen. Leider war der Bus zu schnell unterwegs, um diese riesigen Vögel mit bis zu 3 Metern Spannweite in ihrer vollen Pracht bewundern zu können.

Zunächst mussten wir am Haupteingang des Nationalparks "Laguna Amarga" eine Sicherheitsunterweisung ansehen und die Parkgebühren von 40 € pro Person zahlen. Aufgrund von 2 großen Waldbränden in der Vergangenheit sind die Ranger im Park extrem darauf bedacht, dass man bloß kein offenes Feuer macht. Gekocht werden darf nur im Camp in einem speziellen Raum.

Weiter ging es von dort mit einem Shuttle-Bus zum Camp Central, wo wir unser Ticket vorzeigen und nachweisen mussten, dass wir alle notwendigen Reservierungen der Campingplätze auf dem O-Track hatten. Denn ohne Reservierung wird man gar nicht erst auf den Track gelassen. Ab hier ging es mit dem Rucksack bepackt zu Fuß weiter. Unser Marschgepäck beinhaltete Zelt, Schlafsäcke, Isomatten, Kochgeschirr, Kamera, Klamotten für alle Wetterlagen und Essen für 8 Tage. Die ca. 15kg machte sich schon nach wenigen Metern bemerkbar und jeder Schritt war sehr viel anstrengender als normalerweise.

Die erste Tagesetappe war auf 4 Stunden bzw. 12km angesetzt und führte hinein in das Hinterland des Torres del Paine Nationalparks. Der schmale Wanderpfad war sehr schön gelegen und führte uns mit nur wenig Höhendifferenz durch moosbewachsene, mystische Wälder, über blühende Blumenwiesen und durch ein schönes Tal entlang eines breiten, Berggletscherwasser gespeisten, Flusses. Die Temperatur waren mit ca. 20° sehr abgenehm, einzig der starke Wind, gab uns schon einen Vorgeschmack auf die Rauhheit Patagoniens. Nach ca. 3h kamen wir an einer Herde Pferde vorbei, die friedlich auf der Blumenwiese grasten. Die Pferde hier sind zwar nicht wild, sie sind hier im Park aber auch nicht eingezäunt und können sich frei bewegen. Die zweite Herde Pferde kurze Zeit später stand näher am Wegrand und einige Pferde lagen entspannt im Gras. Eines der Pferde ließ sich sogar von uns streicheln.

Nach einer weiteren Stunde kamen wir endlich am Ziel, dem Camp Seron, an. Die erste Ettape war mit nur 4 Stunden zwar sehr kurz, aber dennoch schmerzten unsere Schultern und unsere Becken durch das ungewohnte Gewicht unserer Rucksäcke. Wir hofften, dass das in den nächsten Tagen besser würde, wenn man sich an den schwerden Rucksack gewöhnt hat. Nach der Registrierung im Camp konnten wir unser Zelt an einem Platz unserer Wahl auf einer wunderschön gelegenen Wiese aufbauen. Wir suchen uns eine plane und grasbewachsene Stelle aus und bauen unser Zelt eilig unter dem Dauerangriff einer Horde stechwütiger Moskitos auf. Die Moskitos waren ganz plötzlich überall, denn der Wind hatte sich gelegt. Wir versuchten uns mit Insektenspray vor den lästigen Biestern zu schützen, aber selbst das half nur für wenige Minuten. Glücklicherweise hatten wir unser Zelt beim Ausleihen schon einmal Probe aufgebaut, sodass wir nach nur 5 Minuten uns komplett eingerichtet hatten.

Abends haben wir uns dann ins Kochzelt gesetzt und uns leckere Burritos gemacht. Beim Essen kamen wir mit einer allein Reisenden Israelin ins Gespräch mit der wir uns super verstanden. Da es nur einen einzigen Wanderweg und nur wenige Camps auf dem O-Track gibt, würden wir in den nächten Tagen nich oft aufeinandertreffen. Im Anschluss an das Abendessen haben wir uns ein überteuertes warmes Bier aus den Camping-Shop gegönnt und die Aussicht von einem nahen Hügel aus genossen. Da es früh morgens weitergehen sollte und die Wanderung schon recht anstrengend war, haben wir uns früh schlafen gelegt.

Tag 2

Der zweite Tag startete relativ früh und begann mit einem leckeren Frühstück aus Porridge, angereichert mit Trockenfrüchten, gemischten Nüssen und Erdnussbutter (!!), und schwarzem Tee. Es war eine sehr gute Grundlage für den Tag. Nach dem Zeltabbau sind wir dann in unsere zweite Tagesetappe gestartet. Die Strecke ist unterteilt in zwei Abschnitte. Der erste ist rund 9 km lang (3 h) und endet an einer Ranger Station. Der zweite Abschnitt ist 8 km lang (3 h) und endet im Refugio Dickson. Die Schultern schmerzten zwar noch vom Vortag, aber da mussten wir nun durch.

Die Wanderstrecke führte regelrecht willkürlich durch das Hinterland des Torres del Paine. Wir sind über einige Bächer, durch schöne weite Täler mit viel hohem Gras und blühenden Margeriten und über wild bewachsene Hügel gewandert. Nach etwa 1,5 Stunden mussten wir einen etwa 200m hohen Anstieg hoch. Oben angekommen wurden wir vom kräftigen Wind fast umgehauen. Aber das sollte nur ein winziger Vorgeschmack auf die Windstärken werden, die uns noch erwarteten würden. Die Aussicht war grandios: zur rechten ging es steil hinunter bis zu einem türkisgrünen See, dahinter eine hohe Gebirgskette, links ging es einen sanften buschbewachsenen Hügel hoch und vor uns streckten sich die schneebedeckten Berge in die Höhe. Die weitere Strecke war sehr abwechslungsreich und ging daher auch schneller vorbei als erwartet.

Nach ca. 3h sind wir dann an der Ranger Station Coiròn angekommen. Hier wurden wir von einem sehr netten Ranger und einer Horde Moskitos begrüßt. Wir mussten uns kurz registrieren und unsere Reservierungen für die nächsten Campingplätze vorzeigen. Wir wollten zwar eine Pause machen, sind dann aber direkt weiter, da die Moskitos nicht auszuhalten waren.

Mit uns auf dem Track war eine große Gruppe Amerikaner (rund 10 Personen), die eine geführte Tour gebucht hatten. Einen Bergführer braucht man im Torres del Paine grundsätzlich nicht, da es nur einen Weg gibt und dieser sehr gut erkennbar und ausgeschildert ist. Vorteil der gebuchten Tour ist aber, dass es mehrere Träger (sogenannte Porter) gibt, die einem das meiste Gepäck tragen und man auf der Strecke nur einen Day-Bag benötigt. Außerdem gibt es verschieden angerichtete Mahlzeiten. So gab es für die Amerikaner an der Ranger Station unter dem Angriff unzähliger Moskitos einen Mittags-Snack.

Wir sind direkt weiter gegangen und haben uns dann rund 30 Minuten später, an einer Stelle, an der es kaum Moskitos gab (wir haben zwei gezählt) unseren Mittags-Snack, Müsli-Riegel und gemischte Nüsse, gegönnt. Die amerikanische Gruppe kam an uns vorbei und war sichtlich neidisch, dass wir ungestört essen konnten. Nach der Pause ging es über Wiesen und durch einen Sumpf, über den Holzstege gebaut waren. Hier fing es an zu Regnen, sodass wir das erste Mal von unseren Regenjacken Gebrauch machen konnten. Aber der patagonische Regen geht genauso schnell wieder, wie er kommt und stört daher nur wenig.

Nach weiteren 2,5 Stunden kamen wir zu einem höher gelegenen Aussichtspunkt, der einen wunderschönen Ausblick auf unser Camp für diese Nacht bot. Es war wie aus einer Szene in einem schnulzigen Western. Im Hintergrund die Berge, davor ein breiter, geschwungener Flusslauf, der sich zu einem See verbreiterte. Und in der Flussschleife lagen ein paar einsame Holzhütten auf einer großen Weide, auf der vereinzelt ein paar Pferde grasten, umgeben von hohen Bäumen. Nur die modernen Zelte störten das sonst romantische Bild etwas.

Aber auch hier am Aussichtspunkt waren wieder unzählige Moskitos, die sofort nach neuen Opfern suchten, so haben wir nur schnell ein paar Fotos von der Szene geschossen und sind dann weiter. Am Camp angekommen haben wir uns bei der Ranger Station und im Refugio registriert und konnten dann, unter der Bewachung angriffslustiger Moskitos, schnell unser Zelt aufschlagen. Nach dem Zeltaufbau haben wir uns erst einmal eine warme Dusche gegönnt und haben uns anschließend was zu essen gekocht. Es gab Burritos mit Bohnen, Linsen und Mais und einer leckeren Sauce aus der Tüte.

Da es zwischenzeitlich angefangen hatte zu regnen, sind wir noch sitzen geblieben und mit den anderen Wanderern, die am Tisch saßen, ins Gespräch gekommen. Zwei davon waren ein Pärchen aus London, die auch auf Weltreise sind und die anderen Drei kamen aus Australien und Deutschland und waren gerade erst mit der Schule fertig und machten ein Gap-Year. Insgesamt haben wir auf dem O-Track fast ausschließlich Langzeitreisende getroffen. Vermutlich, weil niemand 8 Tage am Stück wandern geht, wenn er nur 3 Wochen Urlaub hat.

Nach dem der Regen etwas leichter wurde, sind wir ins Zelt gegangen, haben noch etwas gelesen und haben uns dann wieder zeitig schlafen gelegt.

Tag 3

Die zweite Nacht haben wir gut geschlafen, obwohl es deutlich kühler war. Am nächsten morgen stellten wir dann auch fest warum: In der Nacht hatte es bis ca. 100 Meter über dem Camp geschneit und die Gipfel und Hänge waren weiß gezuckert. Durch die Kälte waren auch die Sachen kühl und wir brauchten erst einmal ein leckeres warmes Porridge (mit Trockenfrüchten, gemischten Nüssen und Erdnussbutter (!!)) und einen schwarzen Tee zum aufwärmen.

Nachdem das Zelt verpackt war, haben wir uns auf den Weg unserer dritten Tagesetappe gemacht. Heute standen 12 km bzw. 4,5 Stunden Wanderung auf dem Programm. Nach dem gestrigen Tag schien es uns schon fast etwas wenig. Zwar schmerzten die Schultern und Becken immer noch, aber wir merkten auch den langsam einsetzenden Trainingseffekt. Auch die Rucksäcke haben sich langsam an unsere Körper angepasst und kamen uns nicht mehr soo schwer vor.

Da es die Nacht über geregnet bzw. geschneit hat und auch der heutige Tag sehr verregnet war, war der Wanderweg übersät von Matschlöchern und kleinen Bächen. Dies machte unser vorankommen deutlich schwieriger, außerdem mussten wir heute rund 400 Höhenmeter überwinden. Wodurch die "nur" 12 km doch auch wieder an unseren Kraftreserven nagten.

Fast die gesamte Wanderstrecke lag in unberührten natürlichen Wäldern, wodurch uns der Regen nicht soviel ausmachte. Es war toll mal solche Wälder zu sehen, in denen der Mensch noch nicht alles verändert hat, sowas gibt es in Deutschland ja gar nicht mehr. Nach ca. 4 Stunden sind wir dann zu einer hügeligen Geröll-Landschaft gekommen, wo der Wind deutlich kräftiger wurde. Wir mussten richtig kämpfen, um die Hügel hochzukommen und der Wind hat uns immer wieder durchgeschüttelt. Auf dem ersten Hügel angekommen, blickten wir auf einen dahinter liegenden See, an dessen Ende ein Gletscher ins Wasser ragte. Die Gletscher im Torres del Paine beeinflussen das Wetter immens und sorgen unter anderem für die enormen Windgeschwindigkeiten. Imke versuchte von dem See und dem Gletscher ein Foto zu schießen, aber der Wind war so unfassbar heftig, dass sie nicht ruhig stehen bleiben konnte. Der Wind hat sie sogar einmal umgeworfen. So hat sie dann ein paar Bilder im Sitzen gemacht und wir haben uns bis zu unserem nächsten Camp durch den Wind und die noch kräftigeren Böen gekämpft.

Am Campground Los Perros angekommen, wurden wir an der Ranger Station von einem sehr freundlichen Ranger begrüßt, der uns einen heißen Stein gab, an dem wir unsere durchgefrorenen Finger aufwärmen konnten. Der Ranger gab uns noch eine kurze Einweisung, was uns am nächsten Tag erwarten würde und wies uns daraufhin, dass wir bis spätestens 7 Uhr das Camp verlassen müssen, damit wir es über den Pass und bis zum Camp Grey schaffen. Nach der Registrierung beim Ranger und danach im Refugio haben wir unser Zelt aufgebaut. Wir waren inzwischen regelrecht durchgefroren und versuchten uns durch das Abendessen wieder aufzuwärmen. Was aber nicht so richtig gelingen wollte. Daher haben wir uns noch einen Tee gemacht und sind dann ins Zelt gegangen. Erst der Wechsel der Klamotten und das Einmummen in den Schlafsack verhalf langsam dabei, dass uns wieder wärmer wurde. Im Zelt haben wir dann Karten gespielt und gelesen.

Doch durch die Kälte und die Aufregung vor der nächsten Tagesetappe war unsere Motivation etwas angeschlagen. Die Nacht sollte noch einmal richtig kalt werden, sodass wir auch nicht so richtig gut geschlafen haben.

Tag 4

Das Highlight des O-Tracks ist die Überquerung des John Gardner Passes, der auf rund 1200m liegt und einen gigantischen Blick auf den Gletscher Grey bereithält. Aber diese vierte Tagesetappe ist mit 11 Stunden auch die Anstrengendste des ganzen O-Tracks. Da wir spätestens um 7 Uhr aufgebrochen sein mussten, sind wir noch vor Sonnenaufgang um 4:30 Uhr aufgestanden, um möglichst früh am Pass zu sein, denn Imke hatte gelesen, dass je später es wird, der Wind immer mehr zunimmt und es dann deutlich anstrengender wird den Pass zu überqueren.

Nach dem Frühstücks-Porridge und einem Tee, haben wir unser Zelt zusammengepackt und sind um 5:45 Uhr aufgebrochen. Der Weg ging zunächst relativ steil bergauf. Durch den vielen Regen hatte sich der Weg in ein einziges großes Matschloch verwandelt und zwischendurch sah er eher aus wie ein Bachlauf, als wie ein Wanderweg. Hier waren wir sehr froh über unsere hohen wasserfesten Wanderstiefel. Nach ca. 1 Stunde hüpfen von Baumstamm zu Baumstamm kamen wir dann an der Baumgrenze an und machten einen Schritt in das dahinterstehende Geröllfeld an. Der Wind war so stark, dass er uns direkt umzuhauen drohte. Wir haben uns dann nochmal in den Wald zurückgezogen und uns zunächst dicker angezogen und nochmal alles windsicher gemacht. Danach sind wir raus auf das Geröllfeld und haben uns dem Wind gestellt, der mit rund 70 km/h frontal auf uns zubließ. Wir wurden immer wieder vom böigen Wind durchgeschüttelt. Neben dem Wind hat es die vorherigen Tage auch immer wieder geschneit, wodurch wir uns durch knietiefen Schnee die Hänge hochkämpfen mussten. Vor uns waren zum Glück schon ein paar andere Wanderer, sodass man ihren Fußspuren im Schnee gut folgen konnte.

Nach rund 2,5 kraftraubenden Stunden und etwa 600 Höhenmetern erreichten wir endlich den Pass. Hier oben wehte der Wind zum Glück relativ konstant und frontal, wodurch wir mit ca. 45° Vorwärtsneigung unseren Weg durch den Wind über den Pass verhältnismäßig leicht fortführen konnten.

Einmal über den Pass tauchte plötzlich vor uns der riesige Gletscher Grey auf. Der Anblick lässt sich nicht wirklich in Worte fassen und auch Bilder geben nicht das wieder, was wir sehen. Im ersten Moment sah es aus wie der Blick auf ein wolkenverhangenes Tal, erst das genauere Hinsehen verdeutlicht einem die gigantischen Eismassen, die langsam talwärts geschoben werden. Ein wirklich unglaubliches Bild!

Begleitet von einem starken, aber mit jedem Schnitt schwächer werdenden Wind haben wir dann unseren Abstieg begonnen. Dieser führte zunächst über Geröllfelder hinab, bis wir zu einem Waldstück kamen, in dem der weitere Abstieg richtig anstrengend wurde. Dieser war hier treppenartig angelegt, sehr steil und teilweise matschig, was recht schnell auf die Gelenke ging und nach ein paar Minuten langsam Schmerzen in Kniescheibe und Bändern auslöste. Erträglich macht den Abstieg, der immer wiederkehrende Blick auf den gigantischen Gletscher.

Nach ca. 5h erreichen wir unseren Zwischenstopp den Campingplatz und die Ranger Station Paso. Hier müssen wir uns zunächst beim Ranger registrieren. Hier konnten wir unseren Gaskocher auspacken und uns mit einem leckeren Mittagessen aus Spaghetti mit Pesto-Sauce für den zweiten Teil der Etappe stärken. Nach gut einer Stunde Pause ging es dann weiter zu unserem heutigen Tagesziel dem Refugio Grey. Dieser Abschnitt sollte laut Karte weitere 6h dauern.

Der Weg führte entlang eines Gebirgshanges und wir hatten die ganze Zeit Ausblick auf den Gletscher. Die Strecke war sehr abwechslungsreich, mal kleinere Wälder, mal schroffe Felshänge, und das Beste: mehrere abenteuerliche Hängebrücken. Allerdings waren wir langsam am Ende unserer Kräfte und sehnten uns endlich unser Zelt aufbauen zu können und eine After-Trecking-Cola zu trinken.

Auf dem Weg gab es mehrere Aussichtspunkte auf den Gletscher, die auch als Tagesausflug vom Camp Grey erreichbar sind und so kamen uns heute das erste Mal auf der Strecke Wanderer entgegen, die den W-Track oder nur Tagestouren machten. Der W-Track ist eine beliebte Strecke im Torres del Paine, der meist in vier Tagen gewandert wird und an dessen Tageszielen immer gut ausgebaute Refugien stehen.

Eine Wanderin ist uns an diesem Tag entgegengekommen und bat uns an einem Aussichtspunkt ein Foto von ihr vor dem Ausläufer des Gletscher Grey zu machen. Ihr Jubelgeschrei "I made it!" bringt uns noch immer zum Schmunzeln, da wir gerade rund 9h gewandert, um 4:30 Uhr aufgestanden sind und rund 1200 Höhenmeter überwunden haben ;) und sie nicht mal einen Rucksack aufhatte.

Nach 5h sind wir endlich am Refugio Grey angekommen (1 Stunde schneller als in der Karte angeben) und waren heil froh, unser Zelt aufbauen und Duschen gehen zu können, denn am Vortag in Los Perros gab es nur kalte Duschen und da war uns aufgrund der frostigen Temperaturen nicht wirklich nach. Nach der etwas zu heiß eingestellten Dusche haben wir es uns in dem Restaurant im Refugio gut gehen lassen. Es gab leckere Pizza und Wein bzw. Bier. Das Ganze hat dann auch "nur" schlappe 50 € gekostet (man gönnt sich ja sonst nichts).

Nach dem Essen sind wir hundemüde ins Zelt gegangen und haben kurz danach unsere Augen zu gemacht.

Tag 5

Da unser Zeltplatz etwas abschüssig war, war die Nacht nicht wirklich gut. Zusätzlich machte sich die unbequeme Isomatte immer mehr bemerkbar. Die Matte war nur ca. 0,5 cm dick und bot keinen wirklichen Komfort. Das machte sich zu dem unebenen Untergrund zusätzlich bemerkbar.

Nach unserem gewohnten Frühstück (Porridge und Tee) ging es dann zunächst nur mit Tagesrucksack ausgestattet zu einem Aussichtspunkt auf den Gletscher Grey. Dies war nicht besonders aufregend, da wir am Vortag deutlich beeindruckendere Bilder genießen konnte. Zurück am Refugio haben wir unser Zelt gepackt und haben dann unsere fünfte Tagesetappe zum Refugio Paine Grande in Angriff genommen. Die Etappe sollte nur etwa 3,5 Stunden dauern und wir mussten rund 200 Höhenmeter überwinden.

Die Strecke ging immer wieder auf und ab und führte entlang eines großen Sees, der unter anderem vom Gletscher Grey gespeist wird. Nach etwa der Hälfte der Strecke kamen wir zum wunderschönen Aussichtspunkt Mirador Grey, der den See und den Gletscher überblickt. Diesen Aussichtspunkt kann man auch als Tagestour von Paine Grande aus erreichen. Hier oben war der Wind, aber so stark, dass alle Bilder schief oder verwackelt waren und beim Weitergehen packte der Wind so in den großen Rucksack, dass wir gezwungen waren zu laufen, um nicht umzufallen.

Zum Ende der Tour sind wir noch durch ein wunderschönes Tal mit hübschen Blumen und durch den letzten großen Waldbrand abgestorbenen, aber zur idyllischen Kulisse passenden, Bäumen gewandert. Hier frischte der Wind nochmal richtig auf und hat uns gut durchgeblasen. Das Camp Paine Grande war wunderschön an einem türkisblauen See und direkt an zwei hohen Bergflanken gelegen und wir konnten uns einen freien Platz zum Campen aussuchen.

Wir mussten heute unser Zelt in heftigem Wind aufbauen, was aber mittlerweile durch das tägliche Training kein Problem mehr darstellte. Danach haben wir uns ein leckeres Reis-Curry-Gericht gezaubert und haben noch etwas mit der Wanderin aus Israel, die wir am ersten Tag kennengelernt hatten, gequatscht.

Heute sind wir sehr früh ins Zelt gegangen, da wir noch Schlaf-Nachholbedarf von den vorherigen Nächten hatten. Aber auch diese Nacht sollte nicht besser werden, da der Wind die ganze Nacht über das Zelt ordentlich durchschüttelte. Georg musste sogar zweimal raus, da sich die Heringe der Zelteingänge gelöst hatten und das Oberzelt drohte, wegzufliegen.

Tag 6

Nach der unruhigen Nacht haben wir morgens gefrühstückt (hmm lecker Porridge mit Tee). Und haben nach dem Zeltabbau unsere sechste Tagesetappe begonnen. Die heutige Etappe war mit rund 13 km (ohne Umweg über Valle del Francés) angesetzt und sollte 5 h dauern. Ziel war das Refugio Los Cuernos, das zwar das weiter entfernte Refugio war, aber erstens konnten wir kein anderes Camp buchen und außerdem konnten wir so näher am Ziel unserer letzten Tagesetappe sein.

Wir sind recht zügig losgewandert und die Strecke ging entlang der Laguna Scottsberg durch schöne Wälder und Berghänge. Nach rund 2,5 h sind wir an der Ranger Station und dem Campingplatz Italiano angekommen. Von hier aus kann man in das Valle del Francés wandern und gelangt zu zwei Aussichtspunkten. Den ersten erreicht man nach ca. 1 Stunde, den anderen nach 3 Stunden. Wir haben unsere Rucksäcke an der Ranger Station liegen gelassen und sind dann nur mit unseren Day-Bags ca. eine halbe Stunde in das Tal aufwärts über Felsen gewandert bzw. gekraxelt. Der Vortragende von erratic rocks in Puerto Natales hatte erzählt, dass sich die Sicht auf das Tal zwischen den ersten Kilometern und dem ersten Aussichtspunkt nicht stark ändert, weshalb wir entschieden gar nicht so weit in das Tal zu wandern. Außerdem hatten wir noch weitere 2,5 Stunden Wanderung vor uns und wir wollten nicht so spät in Los Cuernos ankommen.

Wir haben es uns nach der halben Stunde auf einem größeren Felsen gemütlich gemacht und die Aussicht genossen. Immer wieder gingen kleinere Schneelawinen von den gegenüberliegenden Bergen ins Tal ab. Das war spannend, da dies immer unter einem lauten Donnern passierte. Nach der kleinen Pause sind wir dann wieder zur Ranger Station abgestiegen.

An der Ranger Station haben wir wieder unsere Rucksäcke aufgespannt und sind zum nächsten Zwischenstopp, dem Refugio Francès, weitergezogen. Dies sollte nach ca. einer halben Stunde erreicht sein, doch diesmal zog sich die Strecke etwas länger und wir fragten uns bereits, ob wir ein Schild übersehen hatten. Ca. 20 Minuten später als gedacht, sind wir dann am Refugio angekommen und haben uns eine Cola zur Erfrischung gegönnt. Das Refugio war sehr neu und teilweise noch im Aufbau. Was uns sehr seltsam erschien, war der Campingplatz der weit vom Refugio entfernt lag. Man musste ca. 10 Minuten vom Campingplatz zum Refugio absteigen. Später berichteten uns Bekannte, die wir auf dem O-Criquit kennengelernt haben und im Refugio Francès übernachtet haben, dass es dort nicht so schön war. Der Campingplatz war wohl sehr unbequem, da die Stellflächen teils sehr abschüssig waren.

Nach der Cola ging es dann hauptsächlich durch Waldgebiet weiter Richtung Refugio Los Cuernos. Wir mussten einige Höhenmeter abbauen, was aber deutlich einfacher war als der Abstieg vom Pass. Am Ende kamen wir an einem See mit Kiesstrand raus und konnten dort unsere Füße in dem 6° bis 7° warmen Wasser abkühlen. Von dort aus ging es dann noch ca. 20 Minuten weiter bis wir endlich am Refugio ankamen.

Hier hatten wir keinen Platz mehr für unser Zelt buchen können, sondern mussten ein vollausgestattetes Zelt buchen. Das schlug dort mit rund 88 € zu buche. Ganz schön teuer für ein Zelt mit Matte (den Schlafsack muss man selber mitbringen). Nach dem Bezug des Zeltes und einer erfrischenden Dusche, sind wir nochmal zu dem See gelaufen. Da aber der Wind wieder deutlich stärker blies, gab es recht starke Wellen, wodurch wir nicht mehr ins Wasser konnten.

Zurück am Refugio haben wir uns unsere letzte Packung Curry-Reis gekocht und haben uns im Refugio noch einen kleinen Drink, einen Pisco Sour, gegönnt. Nach dem anstrengenden Tag und den vorherigen unruhigen Nächten, sind wir auch heute wieder früh im Zelt verschwunden. Und so ein vollausgestattetes Zelt ist nach fünf Tagen unbequemer Isomatte und beengtem 2 Personen Zelt einfach himmlisch! Wir haben geschlafen wie die Steine :)

Tag 7

Die siebte Tagesetappe war noch einmal mit rund 12 km (5 h) angesetzt und sollte uns zu unserem letzten Campingplatz Chileno im Torres del Paine National Park führen. Die Strecke war zu Beginn sehr angenehm zu laufen und führte entlang dem Lago Nordenskjold. Jedoch war es teilweise wieder extrem windig und wir wurden mit unseren großen Rucksäcken wieder gut durchgeschüttelt.

Nach ca. 3 Stunden kamen wir an der Kreuzung an, an der man entweder Richtung Refugio Chileno, unserem eigentlichen Ziel, oder Richtung Refugio Torre Central laufen kann. Wir beschlossen uns den Umweg über Torre Central, da wir dort unsere Rucksäcke einsperren und noch etwas zu Mittag essen konnten, da unsere Vorräte inzwischen aufgebraucht waren. Der Weg führte entlang einem kleineren See und über einen großen sehr wenig bewachsenen Hügel und der Wind nahm immer mehr zu. Als wir über den Hügel wandern wollten, wurde der Wind so stark, dass wir teilweise nicht mehr stehen bleiben konnten und der Wind uns einfach vor sich herschob.

Nach ca. 2h sind wir endlich, langsam ausgehungert und von der Hitze erschöpft, am Refugio Torre Central angekommen. Hier konnten wir unsere Rucksäcke ablegen, leider war das Restaurant aber schon geschlossen und nur die Bar geöffnet, an der es nur kleinere Snacks gab. So gab es zum Mittag nur ein paar Wedges mit leckerer Sauce. Der Service war aber äußerst langsam und wir wurden schon ungeduldig, ob wir noch etwas zu essen bekommen. Schließlich konnten wir nach der Stärkung, nur mit unseren Day-Bags bepackt, den Aufstieg (400 Höhenmeter) antreten. Durch die Erholungspause war der Aufstieg recht gut zu meistern.

Am Camp Chileno angekommen, wurden wir in die Örtlichkeiten eingewiesen und konnten unser reserviertes Zelt beziehen. Die Zelte waren auf kleinen hölzernen Plattformen im Wald aufgebaut und wie schon in Los Cuernos sehr gemütlich mit dicker Matte ausgestattet. Abends haben wir noch Rachel und Josh getroffen und konnten gemütlich zusammensitzen und über die letzten Tage reden. Wir sind auch heute wieder früh ins Zelt gegangen, da wir am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang am Torres Lookout sein wollten. Das ist "der" bekannte Aussichtspunkt auf die drei Gipfel, die dem Torres del Paine seinen Namen beschert haben.

Tag 8

Wir sind an diesem Morgen vor Sonnenaufgang aufgestanden (3:00 Uhr), um passend zum Sonnenaufgang am Torres del Paine Lookout zu sein, und die vom Sonnenaufgang rot gefärbten Gipfel zu erleben. Als wir aus dem Zelt gekrochen sind, konnten wir noch einen relativ großen Fuchs auf der Flucht vor uns beobachten. Bepackt mit Day-Bag und Stirnlampe haben wir uns dann an den Aufstieg zum Lookout gemacht, der mit rund 2,5 Stunden angegeben ist. Allerdings haben wir nur rund 1,5 Stunden gebraucht, wodurch wir viel zu früh am Lookout waren und die Zeit mit warten und frieren verbracht haben. Wir hatten leider das Pech, dass es sehr wolkig war und der schöne rote Sonnenschein auf den Gipfeln am heutigen Morgen ausblieb.

Der Sonnenaufgang sollte so gegen 5:30 Uhr / 5:45 Uhr sein, so haben wir noch bis ca. 6:15 Uhr ausgehalten und dann entschlossen wieder zum Campingplatz abzusteigen. Aber zuvor haben wir noch die Instagram-typischen Bilder auf dem Stein im See vor den Gipfeln geschossen. Zurück am Camp haben wir noch einen Kaffee getrunken und konnten hier noch mit weiteren Mitstreitern warten bis ein größerer Regenschauer durchgezogen ist. Gegen 10:00 Uhr haben wir dann unseren Abstieg zurück zum Refugio Torre Central angetreten und unsere Rucksäcke abgeholt.

Unser Bus zurück nach Puerto Natales sollte gegen 14:30 von Laguna Amarga abfahren. Wir sind dann um rund 17:00 in Puerto Natales angekommen und haben zunächst unsere Leihausrüstung zurückgebracht, unser Gepäck im Hostel Singing Lamb abgeholt und haben dann unser Familienzimmer im Hostel "Patagonia MW" bezogen. Das Zimmer war eine ganze Wohnung für uns, da das zweite Doppelzimmer nicht bezogen war.

Wir haben uns abends noch eine super leckere Pizza gegessen. Das war eine der besten (wenn nicht die beste) Pizzen, die wir je gegessen haben. Und das lag nicht nur daran, dass wir seit 8 Tagen kein gutes Essen mehr hatten! Wir haben dann noch 2 Tage in Puerto Natales gechillt, bis wir weiter nach El Calafate gezogen sind.

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